aus "Gäubote" vom 08.09.1997
Denkt man an Motorradfahrer, so denkt man zunächst meist an die harten Jungs, die auf ihren schweren Maschinen hemmungslos durch die Gegend brausen. Ein Klischee eben. Lederhosen und Cowboystiefel gibt es aber auch bei einer ganz anderen Gruppierung: den christlichen Motorradfahrern. Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Motorradfahrer im Schönbuch organisierte am Wochenende bei der katholischen Auferstehungskirche in Nebringen ihre "Spätzleskonäktschen".
Einen besonderen Grund, so heißt es auf die provokante Frage, warum Motorradfahrer Christen sein sollten, gebe es nicht, ist aus dem Mund des Bondorfer Martin Baumann zu hören. Während in der Kirche ein kreativ gestalteter Gottesdienst abläuft, will er sogleich Vorurteile aus dem Weg räumen: "wir sind keine Seelenfänger. Ich will keinen missionarischen Auftrag erfüllen, denn der Glaube ist eine persönliche Sache", meint der 44jährige. Man wolle mit solchen Treffen vor allem Berührungsängste abbauen - die Klischeevorstellung stimme einfach nicht.
Wetter und Jahreszeit scheint für Motorradfahrer inzwischen keine Rolle mehr zu spielen, mit guter Montur geht es das ganze Jahr hinaus auf die Straße - oder zu Motorradtreffen. In Nebringen hatten es sich etliche in ihren Zelten bequem gemacht und ließen sich auch vom ungemütlichen Wetter am Samstagnachmittag den Spaß nicht verderben. An einem Schwedenfeuer wurde bei der Spätzleskonäktschen eifrig gegrillt, alle schienen die romantische Atmosphäre zu genießen. Der ungewöhnliche Name soll darauf hinweisen, daß Motorradfahrer aus dem gesamten süddeutschen Raum zum Treffen im schwäbischen Gäu eingeladen sind.
Besondere Programmpunkte standen am Wochenende nicht an. Eher der Austausch unter- und miteinander schien das Ziel zu sein, ein gemütliches Treffen eben, zu dem sogar begeisterte Motorradfahrer aus dem Raum Frankfurt angereist waren. Die Teilnehmerzahl blieb mit knapp 15 Bikern jedoch unter den Erwartungen. Vermutlich seien manche Mitglieder einfach noch in den Sommerferien.
Christliche Motorradfahrer - Motorradfahrer wie andere auch? Nicht ganz, denn ihre fahrbaren Untersätze kommen manchmal mit einer anderen Flüssigkeit als nur dem Wasch- und Regenwasser in Kontakt. "Jedes Jahr im Frühling gibt es im Rottenburger Dom einen fetzigen Motorradfahrer-Gottesdienst", berichtet Martin Baumann. Wer will, kann dann vom Pfarrer nicht nur sich, sondern auch sein liebstes Gefährt mit Weihwasser segnen lassen. Damit man auch in Kurven sicher auf der Straße bleibt.