"Dann wird's richtig bedrückend"

Zeltlager des "Arbeitskreises Christlicher Motorradfahrer" in Nebringen: Ein Biker-Treff mit ernsthaftem Anliegen

aus "Gäubote" vom 15.07.1996

"Spätzleskonäktion": Dahinter verbirgt sich das jährliche Treffen der Schönbucher "Arbeitsgemeinschaft Christlicher Motorradfahrer" (ACM) in freier Natur und nicht etwa ein konspirativer Zusammenschluss schwäbischer Nudelhersteller. Im Juli 1996 schlugen die Kradfans von Freitag bis Sonntag ihre Zelte bei der Nebringer Kirche auf und gestalteten dort einen Gottesdienst. Motto: "Hier tanken sie auf".

Erkennungszeichen der motorisierten christlichen Arbeitsgemeinschaften, die's in der ganzen Republik gibt und die in der Dachorganisation "Gemeinschaft Christlicher Motorradfahrer" zusammengefasst sind, ist der gelbe-schwarze Aufkleber: "Fahr' nie schneller als dein Schutzengel fliegen kann". Daneben existiert die Zeitschrift "Krad-Apostel", die auch übers Internet abgerufen werden kann.

Trotz des unverkennbaren Sinns für Humor: Das Anliegen des ACM ist bitterernst. "Unser Ziel sind weniger Unfälle", sagt Ulrike Striebling, Gründungsmitglied des Schönbucher ACM. Auch solle beim Autofahrer Verständnis für Motorradfahrer geweckt werden - und umgekehrt.

Erste-Hilfe-Kurse, Fachreferate und Sicherheitstraining werden angeboten. Außerdem erhalten die Motorradfans Unfallstatistiken vom Stuttgarter und Tübinger Regierungspräsidium.

Hauptprogrammpunkt aber ist die jährliche Gedenkfahrt mit anschließendem Gottesdienst am zweiten Sonntag im Oktober für die tödlich verunglückten Motorradfahrer aus Baden-Württemberg. Um die 500 motorisierten Zweiradfahrer bis aus der Schweiz schließen sich dem Korso an der am Sindelfinger "Breuningerland"-Parkplatz startet. Wenn dann im Gottesdienst Todesdatum und Alter der meist jungen Motorradfahrer vorgelesen werden, dann, sagt die 35-jährige Ulrike Striebling, "ist das ganz hart".

Der ACM, sagt der Bondorfer Martin Baumann, ist "kein Verein und nicht an eine Konfession gebunden: Wir sind für jeden offen". Auch sei man, so Ulrike Striebling, "keine missionierende Gruppe". Martin Baumann, der mit einem Ohrring mit Motorradfahrer-Motiv seine Liebe zu seinem Hobby dokumentiert, macht eine strikte Trennung: "Glaube und Kirche sind das eine, Verkehrssicherheit ist das andere."

Die Schönbucher Truppe - neben Meersburg der einzige ACM in Baden-Württemberg - hat rund 45 Mitglieder, und man trifft sich ein Mal pro Woche: Ausfahrten Grillen und Schwimmen, Waffeln backen sind die eher lockeren Programmpunkte wie auch das alljährliche "Spätzleskonäktion"-Treffen. Die Schönbucher Truppe die locker ohne Vereinsstrukturen existiert, habe mehr Frauen als die traditionellen Motorrad-Clubs.